„... Et voilà justement comme on écrit l’histoire.”

Voltaire

Dissertation


Mein Dissertationsprojekt im Fach Mittelalterliche Geschichte trägt den Arbeitstitel „Siegel, Stadtgeschichte und symbolische Kommunikation. Exemplarische Studien zu Stadtsiegeln Westfalens bis 1275“. An dieser Stelle möchte ich mein Projekt kurz vorstellen:

Siegel finden sich bereits in den alten Hochkulturen, im persischen wie im römischen Reich. Die Siegelurkunde setzte sich dann ab dem 12. Jahrhundert in Mitteleuropa als neue, zentrale Form der schriftlichen Rechtssicherung durch.
Etwa gleichzeitig nahmen auch die Städte Europas einen neuen Aufschwung. Sie versuchten, nach und nach teils gegen den Stadtherrn, teils in Kooperation mit ihm Unabhängigkeit zu erreichen und sich selbst in Herrschafts- und Verwaltungsstrukturen zu organisieren. Auffällig ist, dass die sich neu formierenden Städte sehr schnell auch das moderne Instrument des Siegels aufgriffen und somit die ersten Stadtsiegel entstanden.

Die Beschäftigung mit Siegeln war lange Zeit ausschließlich Teil der so genannten „Historischen Hilfswissenschaften“ und gilt daher im heutigen Kanon der Geschichtswissenschaften als eher „verstaubt“. In den letzten Jahren wurde aber zunehmend erkannt, dass Siegel eine wichtige und neue Horizonte erschließende Quelle für die Geschichtswissenschaft darstellen. Die Beschäftigung mit Siegeln muss und kann aus ihrer Ecke herausgeholt werden und ermöglicht, verbunden mit neueren und modernen Forschungsansätzen, wichtige Erkenntnisse. Hierzu möchte das geplante Projekt mit seinen Forschungen zu den Stadtsiegeln einen Beitrag leisten.

Im Mittelpunkt wird eine exemplarische Studie zu den Stadtsiegeln Westfalens bis 1275 stehen:
Westfalen gehört in dieser Hinsicht zu den frühen Siegellandschaften Deutschlands. Mit dem Stadtsiegel von Soest aus den 1140er-Jahren findet sich eines der ersten Stadtsiegel in Deutschland und auch in Europa. Auch eine Reihe von weiteren Städten Westfalens führten früh Stadtsiegel – bei unterschiedlichen Herrschaftsstrukturen und Stadtherren: Dazu gehören ältere Städte wie Soest und neu gegründete Städte wie Wiedenbrück. Einige Städte hatten geistliche Stadtherren, wie die Kathedralstädte Münster, Paderborn, Minden und Osnabrück oder die bischöflichen Städte Coesfeld und Schmallenberg. Gleichzeitig finden sich aber auch Städte mit adligen Stadtherren wie Lippstadt oder Siegen und auch die einzige Reichsstadt Westfalens, Dortmund. Im 13. Jahrhundert stellte Westfalen außerdem einen historisch sehr bedeutsamen Raum dar, der vor allem durch die ersten westfälischen Städtebünde von 1246 und 1253, durch den Rheinischen Bund von 1254, sowie durch weitere regionale Städtebünde auch für die Stadtgeschichte sowie für die Erforschung der Kommunikation zwischen den Städten äußerst interessant ist.

Nach einem Überblick über alle Stadtsiegel Westfalens bis 1275 sollen die Siegel einer begründeten Auswahl an Städten genauer untersucht werden – zunächst im Hinblick auf ihr Siegelbild und ihre Umschrift, dann auch auf den jeweiligen verfassungsgeschichtlichen Hintergrund ihrer Entstehung und Verwendung.

Diese Untersuchungen sollen dann Basis sein für systematische Auswertungen:
Ausgehend unter anderem von Überlegungen Toni Diederichs¹ und diese für Westfalen kritisch überprüfend, soll zum einen zur Frage nach der Autonomie und Selbstverwaltung von Städten gearbeitet werden und westfälische Stadtsiegel im Spannungsfeld von städtischer Autonomie und stadtherrlicher Abhängigkeit betrachtet werden.
Außerdem sollen die westfälischen Stadtsiegel als Ausdruck symbolischer Kommunikation der jeweiligen Städte verstanden werden und gefragt werden, was Städte durch ihre Siegel über sich aussagen wollten.

So ermöglicht das geplante Forschungsprojekt die Verbindung von so wichtigen Quellen wie den Stadtsiegeln mit modernen Methoden und Fragestellungen zur Stadtgeschichte und Stadtverfassung sowie mit dem Forschungsansatz der öffentlichen und symbolischen Kommunikation. Es werden damit neue Erkenntnisse für die historische Forschung zur Stadt des Mittelalters erwartet, die manches Bekannte möglicherweise in neuem Licht erscheinen lassen werden.

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Letzte Änderung: 01. Februar 2015